Westbams Club-ABC

Y wie Yaam

Irgendwann war das Yaam dann plötzlich die After-Hour-Location für den Sonntag. Aber vor allem Berlins multikulturellster Ort, an dem sich versprengte Clubber aus den unterschiedlichsten Szenen unter das Stammpublikum mischten. Das bestand aus Afrikanern, Jamaikanern und Deutschen, die in brasilianischen Nationaltrikots steckten. Die Szenerie aus sonnenbrillentragenden, durchgerockten Gays vom Vortag, Köpenicker Rave-Kindern in Schlabbershirts, fröhlich-bunten Rastafarians und Kreuzberger Punks wurde komplettiert durch einige nackt herumspielende Kinder mit zotteligen Muttis, die Hanftaschen trugen.

Alles war ganz wunderbar friedlich und very Berlin, ein Ital-Food schmatzendes, inhomogenes Gemisch, das fünfblättrige Joints rauchte. Es fühlte sich ungefähr so an wie am Tag nach der Loveparade, nur ganz ohne Touristen. Getrunken wurde Caipirinha, das damals tatsächlich noch ultracooles Szenegetränk war, und noch lange nicht als „Caipi“ seinen Weg zum Mainstream-Gesöff angetreten hatte.

Wie jeder wahre Bass-Freak bin ich ja im Grunde Dub-Fan und erfreute mich reinen Herzens an den Riddims von King Tubby und Prince Jammy, gespielt von zerkratzten Singles, herausgezogen aus blässlich-orangen Single-Sleeves von einem dauerbreiten DJ. Der residierte in einer bretterverhauenen Wellblechhütte, die direkt aus Kingston importiert schien. In jenen glücklichen Tagen gab es noch keine Vorstellung davon,  dass hier bald ein Badeschiff vor Anker gehen würde.

Zeitpunkt des Besuchs: Sommer 2000
Adresse des Ladens: Stralauer Platz 35, 10243 Berlin-Treptow
Typischer Track: „A Murderous Dub“ von King Tubby

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