Uraufführung

Yes but No

Mit einem spritzigen Beitrag zur ­MeToo-Debatte eröffnet das Gorki die neue Spielzeit

#MeToo: Riah May Knight, Lindy Larsson, Taner Şahintürk und Svenja Liesau (v.l.n.r.) – Foto: Ute Langkafel

Let’s talk about Sex, Baby. Wie witzig Schlafzimmergespräche sein können, demonstrieren Yael Ronen und ein glänzend aufgelegtes Schauspielerensemble bei ihrer theatralen „Diskussion mit Songs“. Man habe im Vorfeld mehr diskutiert als geprobt, gesteht Orit Nahmias im Bademantel offenherzig zu Beginn. Das Ergebnis ist mehr Report autobiografischer Erkundungen, mehr interaktive Show als klassischer Theaterabend.

Es geht um strukturellen Machtmissbrauch auf dem Gebiet der Erotik, um Wut, um Rache und die Sehnsucht nach Einvernehmen. Systemfragen werden gestellt. Haben wir wirklich nur Dieter Wedel? Und worum geht es bei der MeToo-Aufarbeitung, um Namen oder um Statistik?

Die Zutaten sind vorzüglich abgestimmt: Die MusikerInnen Lindy Larsson und Riah May Knight tanzen, spielen und singen mitreißend und die SchauspielerInnen Orit Nahmias, Svenja Liesau und Taner Şahintürk ziehen nach. Über das ironisch zitierte Operettengenre gelingt der Ausgleich zwischen Sinnlichkeit und Intellekt, zwischen Missbrauchsanekdote und Reformenergie. Den Polit-Berserkern von Trump bis Putin wird das transzendierende Erlebnis der Analpenetration ans Herz gelegt.

Die im Anschluss in den Foyers angebotenen Erfahrungsworkshops fallen mit ihrer netten Didaktik hinter den souverän gebauten Theaterabend zurück. Wer allein kommt, hat dabei immerhin gute Chancen, eine Aftershowbegleitung klar zu machen. ANNA OPEL

13.+28.9., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Yael Ronen. Eintritt 10–38, erm. 8 €

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