Der Stammgast

Yoh Nagao

160.000 Menschen ziehen jedes Jahr nach Berlin. 71.000 davon kommen nicht aus Deutschland. Sie haben auch mal kulinarisches Heimweh. Wo sie dann essen, verraten sie in dieser Serie. Diesmal: Yoh Nagao aus Japan

Stammgast Yo UlaFoto: Saskia Uppenkamp
Stammgast Yo Ula
Foto: Saskia Uppenkamp

Japanisch: Der Sinn für Ästhetik liegt in der Familie. Bereits als Kind habe Yoh Nagaos Großmutter ihn gelehrt: Bei einer japanischen Teezeremonie gilt es als unhöflich, zu Beginn nicht über die Beschaffenheit der Tasse zu philosophieren. Und so ist das Erste, was Nagao im Restaurant ULA in Mitte lobt: die Präzision, mit der man gebratenen Thunfisch hier auf Wasabi-Kartoffelpüree drappiert. Das Arrangement aus ­Rettichsalat und Doraden-Sashimi. Die filigranen Spargelcracker auf Seealgen.

Essen ist fertig!Foto: Saskia Uppenkamp
Essen ist fertig!
Foto: Saskia Uppenkamp

Seine Heimatstadt, Nagoya in Japan, hat Nagao ­verlassen, die Faszination für Farben und Formen ist geblieben. Seit vier Jahren lebt der 35-jährige Künstler und Illustrator nun in Berlin. Obwohl das Geld in den ers­ten Monaten kaum zum Leben reichte, wollte Nagao lieber hier als freischaffender Künstler Fuß fassen, als in Japan als Grafikdesigner ein sicheres Auskommen zu haben. „Nagoya ist ein Industriemoloch ohne kreative Szene“, sagt Nagao – keine Heim­stätte für seine bunten, psychedelischen Werke. Mittlerweile könne er von seiner Kunst leben. Zu seiner Bekanntheit beigetragen hat auch das ULA: Im Galerieraum des Restaurants hatte er vor zwei Jahren eine seiner ersten Ausstellungen in Berlin. Der Sinn für Ästhetik geht hier offenbar über Speisen hinaus.  Julia Lorenz

Anklamer Str. 8, Mitte, U Rosenthaler Platz, Di–Sa 18–23 Uhr, So 11–15 Uhr + 18–22 Uhr, Tel. 89 37 95 70, www.ulaberlin.jimdo.com

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