MÄNNERABEND

You are not the hero of this story

#MeToo und die Folgen

Lauter Adams auf der schrägen Bühnenrampe – Foto: Ute Langkafel / Maifoto

Adam ist in der Krise: Der Mann soll die Hauptrolle spielen, aber er kennt seinen Text gar nicht! Erwartungsdruck lastet auf ihm, irgendwann bricht er zusammen, der Arme. Das Exil-Ensemble um die junge Schauspielerin und Regisseurin Suna Gürler und den Autor Lucien Haug hat Männer zum Thema bedrohte Männlichkeit interviewt und eine kleine Geschichte erfunden um einen Hauptdarsteller, der ratlos auf der Bühne steht.

Vier Frauen und ein Mann schlüpfen abwechselnd in die Rolle des angeschlagenen Alpha-Männchens und konfrontieren uns so mit unserer Erwartungshaltung: Woran erkennen wir ihn eigentlich, den Mann? Die eingespielten Interviews laufen dem Bühnengeschehen den Rang ab, während der gespielte Text ins Geschwätzige driftet, sich zu häufig mit Allgemeinplätzen zufriedengibt. Lustig zu sehen, wie die Darsteller auf Stühlen immer wieder die abschüssige Rampe, die die kleine Bühne komplett ausfüllt, herunterschliddern, kurz vorm freien Fall. Mareike Beikirch gibt den männlichen Zusammenbruch solidarisch, ironisch und glaubwürdig zugleich – ein herrliches Highlight. Aber insgesamt werden zu viele offene Türen eingerannt. Aus einem solchen #meToo-Theaterseminar möchte man doch schlauer herauskommen als man hineinging. REGINE BRUCKMANN

6.10., 20.30 Uhr, Maxim Gorki Theater Studio Я, Hinter dem Gießhaus 2, Mitte. Regie Suna Gürler; mit Maryam Abu Khaled, Mareike Beykirch, Karim Daoud, Tahera Hashemi, Elena Schmidt. Eintritt 16, erm. 8 €