Kino

Yuli

Einen Namen hat sich der gefeierte Drehbuchautor Paul Laverty vor allem in seiner langjährigen Zusammenarbeit mit dem britischen Altmeister Ken Loach gemacht: zwei wackere Linke mit entsprechenden Botschaften in Filmen wie „The Wind That Shakes the Barley“ oder zuletzt „Ich, Daniel Blake“, beide gewannen in Cannes die Goldene Palme. Und nun schreibt eben dieser Laverty einen Tanzfilm?

Doch bei genauerem Hinsehen wird seine Motivation klar. Da ist zum einen die spanische Regisseurin Icíar Bollaín, mit der Laverty schon gesellschaftskritische Filme wie „El olivo“ oder „Und dann der Regen“ realisiert hat. Und da ist zum anderen die Geschichte von Carlos Acosta, in der Vita des kubanischen Tänzers steckt jede Menge Drama: Familienbande, Rassismus, Sklaverei, Einsamkeit. Als Pedro, der strenge Vater von Carlos, in den frühen 80ern dessen Talent fürs Tanzen auf der Straße beim Breakdance entdeckt, zwingt er den kleinen Jungen dazu, auf die renommierte Ballettschule in Havanna zu gehen. Doch Yuli, wie er von Pedro nach einem alten Helden seiner synkretistischen Religion genannt wird, muss sich fortan von den Jungs auf der Straße als Schwuchtel dissen lassen, bückst immer wieder aus und landet bald in einem abgelegenen Ballettinternat.

Dass es Carlos Acosta bis ganz nach oben schaffen wird, ist ja klar. Laverty und Bollaín bedienen sich nun eines cleveren Kniffs, um die Emotionen Yulis in Bilder zu gießen: Sie fügen eine weitere inszenatorische Ebene ein, in der junge Tänzer die Geschichte Acostas mit der packenden Musik Alberto Iglésias‘ ausdrücken. Gesteuert werden diese Tanzsequenzen vom mittlerweile 45-jährigen Carlos Acosta selbst.

So wird auf beiden Ebenen deutlich, wie schwer es ist, sich als Schwarzer in der weißen Welt des klassischen Balletts durchzusetzen. Ein Film, der vor Emotionen fast birst und zugleich betörend schön aussieht – was will man mehr von großem Arthouse-Kino?

E/GB/D 2018, 104 Min., R: Icíar Bollaín, D: Keyvin Martínez, Santioago Alfonso, Carlos Acosta, Start: 17.1.

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