Berliner Museen

Yves Tanguy

Auf Fotos posierte er gern als Faxenmacher und Struwwelpeter, sein Werk aber ist von filigraner Zartheit. Yves Tanguy war kein Surrealismus-Macho, kein Diktator wie Breton, kein Franco-Freund wie Dalí, kein Populärphilosoph wie Magritte. Er kannte sie alle, hielt sich jedoch im Hintergrund und seine Affäre mit Peggy Guggenheim möglichst lang geheim. Später verheiratet mit der amerikanischen Künstlerin Kay Sage, konnte er 1939 rasch nach New York emigrieren. Gemeinsam mit ihr hielt er ein Doppelatelier bei Woodbury, Connecticut, wo er 1955 mit nur 55 Jahren als anerkannter Künstler starb.

© Foto: David von Becker
Blick in die Ausstellung „Im Reich der Misteldruiden. Das grafische Werk von Yves Tanguy “ in der Sammlung Scharf-Gerstenberg © Foto: David von Becker

Ein gelebtes Leben und ein halbes Jahrhundert mit seinen geistigen Strömungen und politischen Brüchen offenbaren sich jetzt den Besuchern der monografischen Tanguy-Ausstellung „Im Reich der Misteldruiden“ in der Sammlung Scharf-Gerstenberg. Und das, obwohl sie kaum Gemälde zeigt, sondern sich auf Tanguys kleines druckgrafisches Werk konzentriert. Leiterin Kyl­likki Zacharias hat Postkarten, Briefe, Fotos, Bücher, Editionen, Radierungen und biografische Notizen so anschaulich, abwechslungsreich und übersichtlich angeordnet, dass die Bedeutung des figurativ, tief räumlich anmutenden Werks des Autodidakten Yves Tanguy über dessen Lebzeit hinaus wie nebenbei verständlich wird. Ein Kick fürs Sehen und Verstehen.

Bis 8.4.: Sammlung Scharf-Gerstenberg, Schloßstr. 70, Charlottenburg, Di–Fr 10–18, Sa/So 11–18 Uhr, 12/ erm. 6 €, bis 18 J. frei