Westbams Club-ABC

Z wie Zest

Mit dem Buchstaben Z endet unsere Rundreise durch 30 Jahre Berliner Nachtleben. Und zwar genau an der Stelle, wo sie begann: an der Ecke Kantstraße und Leibnizstraße in Berlin Charlottenburg im Zest. In jenem Laden also, in den später das Abraxas einziehen sollte, der Buchstabe A unseres Club-ABCs. Das soll als Parabel dienen, denn im Nachtleben bewegt sich alles in Kreisen. Man könnte auch sagen: Sisyphos lässt grüßen, aber das ist noch einmal eine ganz andere Geschichte, denn das Sisyphos war ein ganz anderer Laden.

Zum Zest ist zu sagen, dass dort entweder der Gode oder der Fetisch an der Tür stand. Wenn der Gode an der Tür stand, legte der Fetisch auf. Wenn der Fetisch an der Tür stand, legte der Gode auf. Beide hatten riesengroße Hüte der Vivienne-Westwood-Marke Worlds End auf und waren die ersten DJ-Popstars in meiner Erinnerung. Beide hatten eine kleine, aber sehr zugetane Fangemeinde, zu denen auch meine damalige Freundin Nuria gehörte. Sie und andere Fans wurden von den beiden mit den allerneuesten Mode- und Style-Produkten aus London ausgestattet, die diese von ihren Reisen in die englische Hauptstadt mitgebracht hatten – natürlich neben den neuesten Scheiben.

Im Zest lief ein eklektischer Mix aus Motown-Hits und frühem Rap, aber auch „Say Captain, Say What“ von Captain Sensible und Malcolm McLarens „Buffalo Gals“. Der Fetisch legt heute immer noch in hippen Locations auf. Der Gode wurde Schauspieler. Und meine Freundin Nuria machte ihre Ankündigung wahr, mit 21 Jahren aus dem Nachtleben auszusteigen, und lebt heute als Amtsrichterin in Bonn.

Zeitpunkt des Besuchs: ab 1982
Adresse des Ladens: Kantstraße, Charlottenburg
Typischer Track: „You Can’t Hurry Love“ von The Supremes