Dokumentarfilm

Zeit für Stille

Zeit für Stille
Foto: Mindjazz Pictures

Immer weniger Menschen finden heutzutage Zeit für Stille. Dauernd starren sie gebannt auf ihre Smartphones, verschicken Schnappschüsse oder Textnachrichten und schwatzen ständig – zumeist über Nichtigkeiten. Das zunehmend stressige Berufs- und Alltagsleben hält sie auf Trab, immer mehr und umfassendere Medienangebote lassen sie nicht zur Ruhe kommen. Und auch am Arbeitsplatz und im urbanen Umfeld sind sie einer Kakofonie aus Geräuschen ausgesetzt.

Der US-Dokumentarfilmer Patrick Shen zeigt Beispiele für das laute, hektische Treiben – ratternde S-Bahnen und Lärm in den Straßen, zum Finanzmarkt eilende Börsianer, Talk-Show-Geplapper – und setzt ihm lange, statische Aufnahmen aus der Natur oder menschlichen Horten der Ruhe entgegen. Da weht über Wiesen leise der Wind, Insekten summen, man sieht Mönche in einem Zen- und einem Trappistenkloster. Ein junger Mann hat ein Schweigegelübde abgelegt und streift stumm quer durch Nordamerika, allerdings auf Autostraßen, anstatt konsequent über einsame Wanderwege.

Der Film lenkt die Aufmerksamkeit auf natürliche Laute wie das Rauschen der Blätter im Wald und lädt ein zum Erleben von Stille, zum Nachdenken über ein beschaulicheres Leben sowie mögliche Lärmreduktion in unserem Umfeld. Doch die collagenhafte Montage von unterschiedlichen Aufnahmen aus aller Welt ohne erkennbare dramaturgische Struktur führt letztendlich dazu, dass man das Gesehene schnell wieder vergisst.

In Pursuit of Silence (OT) USA 2017, 81 Min., R: Patrick Shen, Start: 30.11.

Zeit für Stille

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