ROMANADAPTION

Zeiten des Aufruhrs

Etwas vorhersehbar ist dieser Geschlechterkampf auf Breitwand – bis Ole Lagerpusch die Chose aufmischt

Ehekrach: Maren Eggert und Alexander Khoun in „Zeiten des Aufruhrs“ – Foto: Arno Declair

Um die Ehe der Wheelers steht es nicht gut. Sie beklagen die „hoffnungslose Leere“, die sie in ihrem New Yorker Vorort umgibt. „Wir brauchen einen Tapetenwechsel“, sagen sie, wie man es so sagt, wenn die Kinder aus den Windeln raus sind und die Midlife-Crisis naht. Den Tapetenwechsel soll Paris bringen, ein Neuanfang. Aber wer Maren Eggert und Alexander Khuon schon nach wenigen Minuten an diesem DT-Abend im Vollkrach aufeinanderprallen sieht, der ahnt: Das wird wohl nüscht mit Paris.

Richard Yates’ Roman „Zeiten des Aufruhrs“ (von 1961) bietet viel Stoff für psychologisches Kammerspiel und das Duo Eggert/Khuon strickt sich auch schöne Kapriolen daraus, wechselnd zwischen Schlacht und Seitensprung. Aber Regisseurin Jette Steckel will das Kammerspiel auf Breitwand ziehen, nimmt Pop-Art-Anleihen in der Bühne, gibt Live-Jazzmusik und Charge in den Nebenfiguren. Khuon als Frank Wheeler muss etwas würstchenhaft neben Eggert schrumpfen. Wie es eine feministische Lesart des Geschlechterkampfs eben einfordert.

Die Vorhersehbarkeit macht es mitunter recht zäh. Bis Ole Lagerpusch als psychotischer Nachbarsohn hereinschneit und dem Paar seine Lebenslügen mit klemmiger Klarheit auseinanderlegt. Grandios erspielt. Wenn für nichts anderes, dafür muss man in diesen Abend. Lagerpusch for life! CHRISTIAN RAKOW

30.3., 19 Uhr, 6.4., 19.30 Uhr, Deutsches Theater, Schumannstr. 13a, Mitte. Regie: Jette Steckel; mit Maren Eggert, Alexander Khuon, Kathleen Morgeneyer, Christoph Franken, Ole Lagerpusch u.a.; Eintritt 12–48, erm. 9 €