Kino

Zentralflughafen THF

Von Oktober 2015 bis Ende 2017 diente das monumentale Gebäude des einstigen Flughafens Tempelhof als Notunterkunft für Geflüchtete, über 3.000 Menschen lebten hier zeitweise. Mittlerweile sind sie in ein Containerdorf am Rande des Flugfelds umgezogen. Der Alltag der Geflüchteten bildet den ­Fokus dieses Films von Karim Aïnouz. Dass der Alltag ohne Privatsphäre vor allem aus Warten besteht, darauf, dass es mit dem eigenen Leben irgendwie weitergeht, fängt diese ruhige und unaufgeregte Alltagsbeobachtung ab dem Juni 2016 über ein Jahr lang ein.

Zentralflughafen THF
Foto: Juan Sarmiento

Aïnouz vermeidet eine Überfrachtung des Themas und setzt stattdessen auf eine subtile Inszenierung und respektvolle Distanz zu den hier lebenden Menschen. Er konzentriert sich aufs Atmosphärische und vertraut auf die Kraft der Bilder. Zwischendurch kurze Einschübe vom Leben auf dem Flugfeld: Menschen, die kitesurfen, imkern oder grillen. Das gibt dem Film eine innere Spannung, ohne dass der Kontrast zwischen dem Alltag in der Notunterkunft und dem munteren Müßiggang vor der Tür plakativ ausfällt.

Protagonisten werden eingeführt und tauchen nicht wieder auf, einzig den jungen Syrer Ibrahim lernt man besser kennen. Doch gerade die etwas zerfasert wirkende Struktur des Films erweist sich als passende Übersetzung der Erfahrung der Menschen, die hier oft bis zu zwei Jahre im Transit leben. 

D/F/BRA 97 Min., R: Karim Aïnouz, Start 5.7.

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