GEHOBENER SLAPSTICK

Zeppelin

Frei nach Texten von Ödön von ­Horváth gibt Herbert Fritsch einen melancholisch-komischen Einstand an der Schaubühne

Gerüstturnen: Bastian Reiber (vorn), Ensemble – Foto: Thomas Aurin

Wie ein verendeter Wal liegt das Stahlgerippe eines Zeppelins wuchtig auf der Bühne, derart raumfüllend, dass kaum Platz für ein Spiel drumherum bleibt. Also rein mit dem ganzen Figurenpersonal ins und aufs löchrige Luftschiff. Die metallenen Zeppelin-Streben dienen als Klettergerüst, aber auch dem meist am linken Bühnenrand am Keyboard fixierten Musiker Ingo Günther als Klangkörper mittels unsichtbar an den Stahlrippen platzierten elektromechanischen Relais. Das ist faszinierend, gleichwohl dauert es etwas, bis das zunächst wortlos-gestische Körperthea­ter in die Gänge kommt.

Geradezu verhalten, wie um die Zäsur zu illustrieren, startet der von der Volks- in die Schaubühne gewechselte Herbert Fritsch seine melancholisch-komisch gestimmte Einstands­inszenierung als Hausregisseur. Munter grimassierend zeigt das von Victoria Behr mit schrill-puppenhaften Kostümen und Masken ausgestattete neunköpfige Ensemble ein köstliches Typen-Cabaret zu Zitatsplittern von Horváth-Texten aus dem Nachlass und doch voller bekannter Bonmots wie „Denken tut weh“ oder „Ich bin eigentlich ganz anders, ich komm nur so selten dazu“.

Doch vor allem redet man tragisch-vergnügt aneinander vorbei. Am Ende hängen alle mit dem Zeppelin träge in der Luft und starren minu­tenlang ins Pub­likum, das erst zaghaft, dann immer ungeduldiger hilflos applaudiert. Schweigen aushalten. Es ist das Schwerste. FRIEDHELM TEICKE

30.9., 20.30 Uhr, 1.10., 18 Uhr, 2. + 3.10., 20 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Herbert Fritsch; mit Florian Anderer, Jule Böwe, Werner Eng, Bastian Reiber, Ruth Rosenfeld. Eintritt 7–48 €