Berlin

zitty 18/2014

Wasser ist Freiheit. Wer einmal auf einem lautlosen Solarboot den Landwehrkanal hinuntergeschwebt ist, der weiß das. Der weiß auch um die meditative Wirkung, die sich einstellt, sobald man einen Fuß auf den Boden eines Floßes setzt. Nach unseren Recherchen für die Titelgeschichte dieser Ausgabe (Seite 14) sind wir der Spree noch mehr verfallen als je zuvor: Redakteur Martin Schwarzbeck wäre am liebsten an Bord der Anarche in den Sonnenuntergang gegondelt und nie wiedergekommen. Fotografin Lena Ganss­mann war bei den letzten Shootings nur noch halb so seekrank wie bei den ersten. Und ich habe mir nach zwei Spritztouren mit Berliner Tüftlern sofort ein Schlauchboot im Internet bestellt – jeder fängt klein an. Und darum geht es ja in unserer Geschichte: Rauf aufs Wasser, egal wie! Es muss kein Luxusliner mit Tropenholzverkleidung sein, es reichen ein paar Fässer und Bretter – und ein bisschen Abenteuerlust. Während die Freiräume an den Ufern der Spree in sich zusammenschrumpfen, wächst dazwischen ein riesiger Spielplatz.

An Land aber gehen die Kämpfe weiter: Eine Gruppe von Senioren wehrt sich gegen Modernisierungen und Mieterhöhungen am Hansa-Ufer (Seite 26). Die Flüchtlinge fordern nach dem Verlassen der Gerhart-Hauptmann-Schule die zugesicherten Rechte ein (Seite 22). Und auf der Berlin Music Week wird über den Erhalt der Berliner Clubvielfalt diskutiert (Seite 58). Alles ist im Fluss.

Morgen kommt mein Schlauchboot. Wir sehen uns auf dem Wasser!

 

Lydia Brakebusch – Redaktionsleitung