In eigener, trauriger Sache

Zitty sagt leise „Tschüss“

Liebe Zitty-Leser*innen, liebe Freund*innen, liebe Wegbegleiter*innen, wir haben leider verdammt schlechte Nachrichten für euch. Nach 43 Jahren müssen wir die Print-Ausgabe unserer Zitty einstellen. Es wird kein weiteres gedrucktes Heft am Kiosk geben. Wir haben alles versucht, unser geliebtes Heft zu retten, der Corona-Krise weiter zu trotzen. Es hat leider nicht gereicht. Scheiße, ist das traurig.

Die erste Zitty aus dem Jahr 1977…

Die Corona-Krise hat unseren Verlag hart getroffen. „Fick dich, Corona!“, haben wir zum Ausbruch der Krise getitelt. Und es auch genau so gemeint. Wie Zitty eben immer ist, immer war, immer sein wird. Rotzig, kämpferisch, widerständig. Und immer auch in your face. Gern geschehen!

Ihr wisst ja selbst, was Sache war wegen Corona. Wochen-, ja monatelang konnten wir nicht ausgehen, nirgendwo einkehren, die Kinos waren dicht, die Theater auch. Von Konzerten, Raves, Festivals und Clubs können wir momentan immer noch nur träumen.

Was macht ein Veranstaltungsmagazin, wenn es keine Veranstaltungen gibt? Das keine Anzeigen von Veranstaltern bekommt, die selber gerade ums Überleben kämpfen?

Tja. Verdammter Mist, das alles.

Unser Mutterverlag, die GCM Go City Media GmbH, zu der auch seit einigen Jahren unser Schwestermagazin tip Berlin gehört, hat sich gegen die Krise gestemmt, mit allen Mitteln. Wir haben die beiden Hefte zu einer gemeinsamen Ausgabe zusammengelegt. Haben den Erscheinungsrhythmus von 14-tägig auf ein Monatsheft umgestellt. Mussten das Heft dünner machen, es gab ja kein Tagesprogramm mehr.

Und ganz unter uns: Manchmal stritten die ehemaligen Zitty- und die  ehemaligen tip-Kollegen auch unter einem Dach immer noch so herzhaft miteinander, als würden die beiden Berliner Stadtmagazine noch immer in getrennten Konzernen erscheinen. Und nicht längst gemeinsame Sache machen. Und gemeinsam diese große, geile, irre, rätselhafte, wunderbare Stadt aufmischen.

…die letzte Zitty, erschienen in der Corona-Krise. Fotos: GCM

Eigentlich können wir uns Berlin ohne die Zitty gar nicht vorstellen, merken wir gerade wieder. Jetzt bloß nicht losheulen. Und deshalb, liebe Zitty-Leser*innen, sagen wir leise „Tschüss“. Wir hatten eine tolle Zeit miteinander. Sind zusammen um die Häuser gezogen, in die Kneipen eingekehrt, haben die besten Konzerte miteinander gefunden, die tollsten Filme gesehen, die besten Theaterstücke. Und hin und wieder auch einfach mal gemeinsam entspannt, in einem Park, auf einer Wiese. Und einfach nur so in den Himmel geguckt. Wir werden euch so vermissen. Und ihr uns bestimmt auch.

Aber dann haben wir noch einen kleinen Trost für euch. Zitty mag nicht mehr als Heft erscheinen, das ist leider so, wir können es nicht ändern. Aber Zitty lebt weiter. Bei unseren Kumpels von tip Berlin. Dort findet ihr, wie in den Corona-Notausgaben zuletzt, auch einige geliebte Rubriken aus der Zitty. Die Meinungskolumnen. Und die Comics! Bleibt bei uns, Freunde! Kommt mit uns mit! Wir sehen uns beim tip Berlin. Früher fanden wir die ja doof, wie ihr ja auch. Aber eigentlich sind die auch ziemlich cool drauf. Gebt ihnen eine Chance. Behaltet eure Abos, das wäre toll. Wir sind ja auch da für euch.

Und dann gibt es ab Ende Juni eine ganz neue tip-Berlin-Internetseite. Mit allem, das Berlin zu der geilen Stadt macht, die es ist. Und wie man unserer Stadt am besten, am intensivsten, am nachhaltigsten erleben kann. Jeden Tag. Auch dort lebt Zitty weiter. Eigentlich sind wir also gar nicht weg. Wir kommen nur anders wieder.

Wir sehen uns, Freunde! Danke für die Jahre, die wir miteinander hatten. Es war eine geile Zeit. Aber wir sind noch lange nicht fertig.

Und jetzt lasst uns nochmal gemeinsam um die Häuser ziehen.

Fühlt euch umarmt, alle miteinander.

Die Zitty-Redaktion