So war es beim ersten Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin

Zu Gast bei Freunden in Moabit

Flammkuchen, Fassgereiftes und ein wachsweiches Ei im Hackmantel

Ein schottisches Ei und ein englischer Wein. Ersteres, das Scotch Egg, ist ein Klassiker der britischen Kneipenküche. Letzterer, ein Pinot Noir von Stophan Estate, eine Beleg dafür, wie ernst es die Briten inzwischen mit der guten, nein, ganz guten Küche meinen. Anton Michel weiß dass nur zu gut. Der junge Koch hat rund die Hälfte seines Lebens in London zugebracht. Und in Moabit das Richwater & Mitchell eröffnet. Ein Restaurant, dem nicht weniger gelungen ist, als diese vollmundige Atmosphäre Großbritanniens mit dem neuen, anglophilen Fine Dining zu verbinden. Warum in der Wiclefstraße? Warum in Moabit? Auch „weil das hier noch ein Kiez ist, mit dem sich die Menschen identifizieren. Hier passiert nichts schnell, dafür aber gründlich.“

Moabit ist also nicht unbedingt als Szene-Viertel verschriehen. Wir finden: gut so. Denn wer genau hinschmeckt, erlebt exzellente Aromen in angenehm nachbarschaftlicher Atmosphäre. Wir haben diese Nachbarschaft erkunden. In der ersten Ausgabe unserer neuen Reihe Kiezgourmet präsentiert von Mastercard Priceless Berlin. Ein küchenkultureller Spaziergang durch die Aromen einer Nachbarschaft. Warum wir mit Moabit angefangen haben? Weil der Kiez mit dem Knast und dem Großmarkt noch immer ein unterschätzter und, ja, auch ein leiser ist. Und weil es hier eben diese vier Läden gibt, deren Verhältnis eben nicht nur ein nachbarschaftliches, sondern ein freundschaftliches ist.

Bilder

Begonnen hatte der Abend in der George R. Bar, Wilhelmshavener Straße 57.  Benannt nach George Remus, eine große Nummer im Alkoholschmuggel während der Prohibition der 1920er Jahre. Aus dieser Epoche hat sich das George R. auch die Drinks geliehen. Viel mit Whisky, an diesem Abend war es fassgereifter, angesetzt vor rund eineinhalb Jahren von Barkeeper Marc höchstpersönlich und – weil in besagtem Fass zuvor ein Negroni steckte – wunderbar aromatisch im Geschmack.

Moabit ist ein Kiez, in dem man mit Qualität überzeugen sollte. Und mit einer gewissen Unaufgeregtheit. Dazu passt auch die Arminiusmarkthalle. Es gibt ja welche die sagen, das sei die bürgerliche Schwester der hippen Kreuzberger Markthalle Neun. Weniger Avantgarde – aber was für Aromen. Robert Havemann und Lisa Meyer – daher der Name – haben hier das Rosa Lisbert etabliert, ein elsässisches Marktstandrestaurant, das für die besten Flammkuchen diesseits des Rheins eigens einen original elsässischen Ofen hat Mauern lassen. Flammkuchen also, mit Zwiebeln und mit Speck, mit Räucherforelle, aber auch mit Fois Gras und mit Filet vom Pferd. Schon wieder war da dieses Staunen. Und die Feststellung eines Gastes, dass die Exzellenz der neuen Berliner Gastrolandschaft doch angenehm lässig ums Eck kommen würde.

Dazu passt, dass wir aus der Gastro-Redaktion unseren Lieblingsösterreicher eben in der Arminiusmarkthalle gefunden haben. Anna Szemes, Thomas Kos und James Doppler sind das österreichische Trio hinter dem Habe die Ehre. Ein Laden ohne Schnitzel und Kaiserschmarrn. Aber mit Topfenknödel, Tafelspitz, mit einer Leidenschaft für Innereien. Und mit Sig, einer radikal reduzierten Süßmolke, Abfallprodukt der Bergkäserei. Wie Salzkaramell schmeckt das, wobei man für eine Portion etwa zehn Liter Molke braucht. Dieser Gang, hinzu kamen noch Birne und Sellerie, war endgültig mehr, als man von einem Kiezspaziergang erwarten kann. Aber unser Spaziergang hatte ja auch noch ein Gourmet im Titel. Es war ein toller, entdeckungshungriger Auftakt, im April geht es nach Charlottenburg.

Informationen zum nächsten Kiezgourmet folgen in Kürze.

Text: Clemens Niedenthal