URAUFFÜHRUNG

Zucken

Sasha Marianna Salzmann und Sebastian Nübling spüren mit Jugendlichen den Motiven junger Menschen nach, sich zu radikalisieren

Rennen, schreien: Elif Karci, Yusuf Çelik, Helena Simon, Timo Muttenzer, Martha Benedict – Foto: Ute Langkafel / Maifoto
ZITTY-Bewertung: 4/6

„Wir brauchen euch nicht“, heißt es am Ende, als sich die sieben jugendlichen Darsteller lässig auf die Bühnen-Sofalandschaft fläzen. „Ihr“, das sind alle, die nicht jung und wütend sind. Eigentlich ist „Zucken“ von Sasha Marianna Salzmann ein Stück, dass mögliche Wege in den Extremismus zeigt: Wohlstandsmenschen mit vielen Fragen und einer kaum zu fassenden Wut im Bauch.

Hier treten zum Beispiel auf: Das Mädchen, das sich im Chat verliebt und bald bereit ist, nach Syrien auszureisen. Der junge Mann, der sich entscheiden soll, ob er Russe oder Ukrainer ist. Die junge Frau, die sich beim Kampf in Kurdistan zum ersten Mal aufgehoben fühlt.

In Sebastian Nüblings Uraufführung am Gorki Theater aber geht es vor allem um jugendliche Wut. Die sieben Darsteller – Laien aus Basel und Berlin – hechten mit bewundernswerter Körperbeherrschung über die Bühne, verkeilen sich ineinander, protzen mit kraftmeiernden Rap-Gesten an der Rampe herum, wütend, trotzig, stolz.

Mit ihren Smartphones machen sie Musik, Videos, verstärken und verzerren ihre Stimmen. Nur wenn sie in ihre Rollen schlüpfen, verliert der Abend an Schärfe. Das liegt ebenso an Salzmanns eindimensionalen Figuren wie an spielerischen Grobheiten. Dennoch: Der jugendlichen Energie kann man sich letztlich nicht entziehen. GEORG KASCH

3. + 4.7., 19.30 Uhr, Maxim Gorki Theater, Am Festungsgraben 2, Mitte. Regie: Sebastian Nübling; mit Martha Benedict, Yusuf Çelik, Doğan Çoban. Eintritt 10–34 €