Komödie

Zuhause ist es am schönsten

Ein italienischer Blick auf den Mythos Familie: „Zuhause ist es a schönsten“

Foto: Andrea Maddaluno/Wild Bunch Germany

In der Wirklichkeit kann es sich gern mal zum Horror auswachsen, im Kino ist es gerade deshalb ein Dauerbrenner – das entgleiste Familientreffen. Schließlich ist ungetrübte Harmonie in den allermeisten Fällen kaum mehr als eine Illusion. Und dennoch, trotz aller Erschütterungen: „Wir fliehen vor ihr und kehren zu ihr zurück“, heißt es am Anfang von Gabriele Muccinos „Zuhause ist es am schönsten“, als die Mitglieder einer größeren Familie zusammenströmen. Sie nehmen die Fähre nach Ischia, wo eine Feier stattfindet: Alba und Pietro haben dort zu ihrer Goldenen Hochzeit eingeladen.

Im Taumel der Ankunft fühlt man sich so, als würde man neu in diese Familie kommen und der Verwandtschaft vorgestellt werden. Den Onkels und Tanten, Nichten und Neffen, Cousins und Cousinen, deren Namen und Gesichter man sich merken muss. Doch Regisseur Muccino gibt sie Mühe, Ordnung in das Durcheinander zu bringen. Während Verhältnisse und Beziehungen nach kurzer Zeit klarer werden, kündigt sich auf der Leinwand das Chaos an. Bei der Feier zeigen sich schon früh Bruchstellen und Konfliktlinien. Und als am Abend wegen eines Sturms der Fährverkehr eingestellt wird und alle auf der Insel festsitzen, brechen die Probleme deutlicher hervor: wegen Geldsorgen, Altersdemenz, vor allem aber der Liebe.

Das spielfreudige Ensemble redet viel, eifer- und sehnsüchtelt, verliebt sich und streitet, isst und singt. Die Kamera schweift mit elegantem Schwung durch den Urlaubsidyllenkontrast und von einem Problemherd zum nächsten – bis zur finalen Eskalation. Mit reichlich hoher (Standard-)Konfliktkonzentration pendeln die Geschehnisse dabei zwischen Drama und Gefühlschaos, Leidenschaft und Lebenslust. Wirklich weh tut die Familienschlacht beim Zuschauen dabei kaum, aber unterhaltsam ist sie allemal, bis am Ende alle wieder auseinanderströmen. Das nächste Fest kann und wird kommen.

 

„A Casa tutti bene“, I 2018, 108 Min., R: Gabriele Muccino, D: Stefano Accorsi, Carolina Crescentini, Elena Cucci, Start: 2.8.