Kino

Zwei Herren im Anzug

Nach dem Leichenschmaus für seine Frau Theres sitzt Gastwirt Pankraz mit dem ­erwachsenen Sohn Semi in der ­Gaststube. Erinnerungen stürzen auf die beiden ein. Dem Sohn geht es um die Hitlerei und ­warum er vom Vater stets verstoßen wurde; der Vater taucht weiter in die Vergangenheit, will sich, seine Herkunft, die Heimat und überhaupt alles verstehen.

Ein bayerisches Kaleidoskop
Foto: Marco Nagel X Verleih AG

Josef Bierbichler hat seinen Familien- und Heimatroman „Mittelreich“ selbst verfilmt, er und sein leiblicher Sohn ­Simon Donatz spielen in zwei Generationen ­jeweils Vater und Sohn. Bierbichler ist in dem Gasthaus am See aufgewachsen, das er auch heute noch betreibt, weist aber ­allzu enge biografische Parallelen von sich. Im Film geht’s ihm ums deutsche Ganze: um die Spanne vom Ersten Weltkrieg bis in die frühen 80er-Jahre.

Einmal steht Pankraz wie bei Wagner am sturmumtosten See und schreit mit „Du verfluchtes, elendes Erbe!“ den Frust des fremdbestimmten Lebens heraus. Bierbichler setzt dies bild- und wortgewaltig um, scheut zwischen poetischen Tableaus, Bauerntheater und drastischen Sequenzen weder Kunst noch Kitsch und serviert – mit Längen – ein so wuchtiges wie barockes Geschichtspotpourri, das einen staunen lässt. Mit Zutaten von Heiner Müller, Goethe, Beckett oder Achternbusch. Und Blasmusik von Wagner und der grandiosen Kombo Kofelgschroa. 

D 2018, 139 Min., R: Josef Bierbichler, D: Josef Bierbichler, Martina Gedeck, Simon Donatz, Irm Hermann

Zwei Herren im Anzug

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