Tagestipp

Apokalypse

Apokalypse
Alex Flemming

Kein Zweifel, es gibt Texte, die scheinen nur geschrieben zu sein, um dem Adressaten gehörig an die Nieren zu gehen. Mit so einem Text endet beispielsweise das Neue Testament. In der Offenbarung des Johannes wird den frühen Christen ordentlich die Furcht vor der Endzeit eingebläut. Der in Berlin lebende brasilianische Maler Alex Flemming hat die Apokalypse zum Thema eines Bildzyklus' gemacht, in dem er berühmte Sehenswürdigkeiten und Wahrzeichen zerbersten lässt, darunter auch sakrale Bauten wie den Taj Mahal oder die Kathedrale Notre Dame, die unlängst ja tatsächlich durch ein Feuer halb zerstört wurde. Flemming malte sein Bild jedoch bereits 2015. Der schwere Brand in Notre-Dame war ein Unfall, von religiösen Eiferern kennen wir aber auch die Zerstörungswut von Kulturerbe wie die Buddha-Statuen von Bamiyan oder der antiken Stätten in Palmyra.
Flemmings großformatige Serie ist eine Mahnung, vermutlich auch angesichts des fanatischen Herbeisehnens der Apokalyse des jüngsten Tages durch die evangelikalen Faschisten, die in seiner Heimat mittlerweile einen ihrer Repräsentanten als Präsident implantiert haben, der rücksichtslos die Zerstörung des Regenwalds vorantreibt und jedermann bewaffnen will. Apokalpse wow? So ist Flemmings Ausstellung, die übrigens im sakralen Bau der Kirche am Hohenzollernplatz stattfindet, ein hochaktuelles Statement und Warnung vor religiösen und anderen Eiferern zugleich. -icke

„Siehe, ich mache alles neu!“, schreibt der Seher Johannes im letzten Buch der Bibel, der Apokalypse des Johannes. Er beschreibt die endzeitliche Neuschöpfung Jerusalems aus den Wolken des Himmels: Die heutige religiöse Hauptstadt des Juden- und Christentums sowie des Islam vergeht und entsteht neu Dank einer himmlischen Intervention. – Der in Berlin lebende brasilianische Künstler Alex Flemming hat anlässlich des dreißigsten Jahrestages des Mauerfalls die Apokalypse heutiger Weltstädte künstlerisch inszeniert: Auf seinen großformatigen Bildern implodieren und explodieren die urbanen Wahrzeichen der westlichen Welt als Symbole ihrer Kulturen in einem vielbunten Farbengestöber. „Siehe, ich mache alles neu!“ – Irreversibler Abgesang oder Chance für einen Neubeginn?

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