Radtour 6

Radtour zum Zoo in Eberswalde

Abseits vom Straßenverkehr lässt es sich hervorragend am Finowkanal entlang­radeln. Am Ziel lockt der schönste kleine Zoo Deutschlands
Text Eva Apraku

Die größte Hürde, um mit Hauptstadt­kindern ab Ruhlsdorf-Zerpenschleuse entlang des Finow­kanals zum Zoo Ebers­walde zu radeln, muss man bereits in Berlin nehmen: Denn der Zug hat in der Regel nur ein Fahrrad­abteil.

Angekommen in Ruhlsdorf-Zerpenschleuse ist jeder Anreisestress jedoch umgehend vergessen: Der Fahrradweg beginnt direkt neben dem Bahnsteig, von dem aus nicht einmal mehr eine einzige Stufe überwunden werden muss. Nachdem man kurz eine breite Schotterstrecke genommen hat, geht es anschließend ein Stück auf einem asphaltierten Fuß- und Radweg zwischen Finow­kanal und Straße. Das war’s dann aber erst mal mit dem – ohnehin nur mäßigen – Auto­verkehr. Denn nach einer Zickzackkurve begleitet der Asphaltweg nur noch den Finow­kanal malerisch zwischen Bäumen und ein bisschen Böschung. Während die Großen irgendwas von „toller Luft“ raunen, schreit es aus den Kleinen raus: „Ein Storch!“, „Ein Eichhörnchen!“ oder „Da schwimmt was unter Wasser!“

Ein Hecht? Ein Karpfen? Ein Zander? Die Angler, die man unterwegs immer wieder antrifft, können auf Petri Heil hoffen. Doch es tummeln sich nicht nur Schuppentiere im Finowkanal. Ein buntes Natur­lehr­schild informiert über Biber, die hier leben und von denen man in günstigen Momenten am Abend schon mal ein Exemplar durchs Wasser paddeln sehen kann. Apropos Schilder: Der Radweg ist nahezu perfekt aus­geschildert.

Noch vor Marien­werder kommen auf einer eingezäunten Waldwiese plötzlich grau-beige Pferdchen neugierig angaloppiert. Sind es Liebenthaler Wildpferde oder eher Koniks, Pferde, die im Wildpark Schorfheide ihr Auskommen gefunden haben? Ein Nerd-Thema für mitradelnde Pferdemädchen.
Nach Marienwerder leitet einen der Fahrradweg dann weg vom Finowkanal. Nachdem man die Autobahnbrücke der A11 überquert hat, landet man auf der Biesenthaler Straße. Große und kleine Technik-Freaks hätten hier die Gelegenheit zum Besuch des Luftfahrtmuseums Finowfurt.
Angekommen in Finow erinnern in Wasser­nähe liegende Villen mit Patina sowie Industrie-­Ruinen daran, dass der Finow­kanal über diverse Zeitperioden wichtiger Transportweg war und die Wirtschaft befügelte.

Kurz nach der riesigen und mit ihren vielen zerschlagenen Fenstern gespenstisch wirkenden Papiermühle Wolfswinkel macht sich der Auto­verkehr bemerkbar. Doch nun ist es nicht mehr weit bis zum Zoo Eberswalde. Dieser selbst ernannte schönste kleine Zoo Deutschlands lohnt sich für Familien übrigens wirklich. Mit frei fliegenden Vögeln oder Flug­hunden im begehbaren Tropenhaus sowie Kletter­stegen, auf denen Waschbären über den Köpfen der Besucher turnen, dürfen sich nicht nur die Tiere vergleichs­weise frei fühlen.
Angenehm übrigens, dass es bei der Rückfahrt in der Regionalbahn deutlich weniger Gedränge gibt: Dank der mittlerweile vergrößerten Fahrrad­abteile findet jeder sein Plätzchen.

Foto: Eva Apraku

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