Auf gute Nachbarschaft

Das glückliche Pärchen

das glückliche Pärchen

Sie sind das personifizierte schlechte Gewissen, und das Schlimme ist: Sie werden immer mehr. In ungeahnter Regelmäßigkeit wölbt sich wieder der Bauch „der netten Nachbarin von oben“, wie sie im ganzen Haus heißt, und ein paar Monate später turnt „der nette Nachbar von oben“ mit dem nächsten Kind die Treppen runter. Das glückliche Pärchen macht alles richtig: Im März setzen sie Pflanzen auf den Balkon, die sie zuvor bereits aufgezüchtet haben, im Sommer spritzen sich die Kinder im Hof mit dem Schlauch nass, spätestens Mitte November kommen sie mit dem schönsten Weihnachtsbaum weit und breit von einem Ausflug ins Grüne zurück. Und wenn am Heiligen Abend die Kinder ihre ­Instrumente für ein kleines Hauskonzert auspacken, drücken sich die Nachbarn gegenüber die Nasen an den Fenstern platt. Nur wenn der Nachbar von nebenan seine Cannabispflanze auf den Balkon stellt, seine E-Gitarre rausholt und zu Weihnachten den Türschmuck verweigert, dann ist das glückliche Pärchen gar nicht mehr so glücklich. „Glück muss man sich erarbeiten“, sagt der glückliche Nachbar dann.  

Möglicher Mitbewohner: der Harmoniesüchtige
Sicherer Auszugsgrund: kein Platz für ein fünftes Kinderzimmer

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