Auf gute Nachbarschaft

Nachbarschaft im Kiez

Wieviel Nähe erträgt der Großstadtmensch?
So sehr mancher Nachbar auch nerven mag, so sehr wünschen wir uns doch ein wenig Dorf im Kiez.  Mehr Zusammenhalt, weniger Anonymität.  Etliche Veranstaltungen überzeugen auch den schlimmsten Eigenbrötler:
Ein bisschen Nachbarschaft muss sein!

Prenzlauer Berg, Dienstagnacht, drei Uhr, ein Rumms im Treppenhaus. Augen auf, Frau wach: Was ist los? „Der Nachbar versucht ­besoffen seine Tür einzutreten.“ Ich gebe ihm zwei Versuche: Wenn er es schafft, hat er am nächs­ten Tag ein Problem mit dem Vermieter, aber ich meine Ruhe. Er schafft es nicht. Ich überlege, die Polizei zu rufen, das könnte ich vom Bett aus machen. Nach seinem dritten Anlauf gehe ich doch zur Tür, frage, ob er nicht den Schlüsseldienst holen will – könnte auch mittelfristig die günstigere Lösung sein. Der Nachbar lallt, das sei zu teuer und wir gehen beide schlafen: Ich ins Bett, er legt sich auf den Treppenabsatz.

Wenn man so will, ist die Nachbarschaft die kleinste politische Einheit. Und sie ist eine Nagelprobe für einen liberalen Menschen: Kann man ernsthaft die Polizei anrufen und einen Mitmenschen verpfeifen, der vielleicht am nächsten Tag für einen ein Paket annimmt? Gibt es ein Recht auf Anonymität, wenn die alte Dame nebenan Hilfe beim Einkauf bräuchte? Bin ich ein Spießer, wenn ich ­einen Aushang mache und zum Grillen im Hof einlade?
Um Nachbarn kommt man jedenfalls nicht herum – ganz besonders in der Großstadt. Das ist ja das Paradoxe: Während viele Menschen in die Stadt fliehen, vor der Spießigkeit auf dem Land, vor dem Nachbarn mit Rasenmäher, der ständig über den Gartenzaun guckt, warten in der Stadt ungleich mehr Typen, die einem keine Ruhe lassen. Mal nerven sie mit dem Saxofonspiel, mal machen sie einem ein schlechtes Gewissen, wenn sie schon Ende März die Balkone bepflanzen.

Nachbarn!
Illustration: Hannes Richert

In Berlin suchen immer mehr Menschen die Gemeinschaft in der Nachbarschaft. Das Dorf im Haus gewissermaßen.

Nachbarschaft kann also auch Spaß ­machen. Zur Einstimmung auf die neue Gemeinschaftlichkeit stellt zitty die verschiedenen Nachbarschaftstypen vor. So manch einer wird sich wiedererkennen. Denn so nervig einige Exemplare auch sein mögen, sicher ist: Die Nachbarn – das sind wir!

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