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In der Christo-Ausstellung im Bundestag

Eine Dokumentations-Ausstellung im Reichstag zeigt, wie Christo und Jeanne-Claude den Verhüllten Reichstag realisierten

1995 haben Christo und Jeanne-Claude für 14 Tage den Berliner Reichstag verhüllt. Viele Politiker – allen voran Helmut Kohl – haben sich damals vehement gegen das Projekt gestemmt, schmähten es als „Klamauk“, hielten es für unwürdig.

Was für ein Irrtum! Die Verhüllung wurde zu einem Volksfest, an das sich die Berliner immer noch gerne erinnern. Die Kunsthistorikerin Sina Jentzsch, Leiterin der 2012 von Roland Specker gegründeten Stiftung Dokumentations-Ausstellung Verhüllter Reichstag, führte die Besucher hinter die Kulissen des Kunstprojektes.

Bilder

100.000 Quadratmeter Stoff wurden dafür verwertet. Einige dieser silbrigen Bahnen liegen im zweiten Stock des Reichstagsgebäudes aus. Sie fühlen sich etwas kratzig an. Auch die blauen Seile, mit denen Christo das Gebäude verschnürt hat, können Besucher aus der Nähe betrachten. Christo hatte die Ausstellung selbst zusammengestellt, sie dokumentiert die gesamte Geschichte des Projekts, die schon 24 Jahre früher begann.

Was viele nicht wissen: Christo und Jeanne-Claude hatten bereits 1971 mit den Vorbereitungen begonnen. Ein Raum beinhaltet den Schriftverkehr zwischen dem Künstlerpaar und den jeweiligen Regierenden in Deutschland. Fotos von den zahlreichen Reisen nach Bonn und Berlin, Urkunden und andere Originaldokumente zeugen heute noch von dem Aufwand, mit dem der Prozess vorangetrieben wurde. Erst Willy Brandt und dann insbesondere Rita Süßmuth (heute Schirmherrin der Stiftung) setzten sich für die Umsetzung ein.

66 Originalzeichnungen und Collagen gibt es im Reichstag zu sehen. Christo hatte eine sehr konkrete Vorstellung davon, wie die Arbeit aussehen sollte – Skizzen zeigen das verhüllte Gebäude zu jeder Tageszeit und bei jeder Witterung. Während die frühen Skizzen, die in den 70er-Jahren entstanden sind, noch ein relativ grobes Bild von dem Vorhaben abgaben, wurden sie später immer detaillierter. Ein maßstabsgetreues Modell ist ebenfalls zu sehen.

Die 225 Fotografien von Wolfgang Volz versetzten die Besucher noch einmal in diesen Sommer 1995. Aus jedem erdenklichen Winkel hat Volz den Verhüllten Reichstag aufgenommen. Wir sehen ihn am Morgen und am Abend. Bei gutem und bei schlechtem Wetter. Und jedes Mal ist seine Wirkung eine andere. Nicht nur das Kunstwerk selbst steht auf vielen seiner Bilder im Fokus. Sie spiegeln auch die Begeisterung, mit der das Projekt Verhüllter Reichstag 1995 von den 5 Mio. Besuchern aufgenommen wurde.

Text: Kirsten Niemann, Fotos: Lena Ganssmann

Zusatz: Die Dokumentations-Ausstellung Verhüllter Reichstag ist Dank der Leihgabe von Unternehmer Lars Windhorst seit November 2016 dauerhaft im Reichstagsgebäude ausgestellt und der Öffentlichkeit im Rahmen der Kunst- und Architekturführung des Deutschen Bundestags zugänglich.

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