Berlinopolis

Tegel

An dieser Stadt haben sich schon viele versucht: Könige und Kaiser, Nazis, Kanzler und Bürgermeister – immer getrieben von der Sehnsucht nach Größe. Trotzdem ist Berlin bis heute nicht fertig. Überall Baustellen, überall neue Areale. Was wird daraus? Ein Blick auf die Hauptstadt der Zukunft, wenn der Größenwahn gesiegt hat

Der Ort
Ortsteil von Reinickendorf, im Nordwesten Berlins gelegen und überregional bekannt als Standort des größten Berliner Flughafens Otto Lilienthal. Auf dem Gelände, das früher Teil der angrenzenden Jungfernheide und Jagdgebiet der Preußenkönige war, werden jedes Jahr 15 Millionen Reisende transportiert. Wurden transportiert, wird es bald heißen, denn im Juni 2012 schließt der Flughafen und Tegel muss sich neu erfinden. Gesucht wird eine neue Identität fernab von Boeing und Fluglärm.

Der Plan
460 Hektar Fläche, die auf einen Schlag frei werden und neu genutzt werden können. „Ein Zukunftsraum“, wie der Senat es nennt, der als „Forschungs- und Industriepark Zukunftstechnologien“ wiedergeboren werden soll. Ähnlich wie in Adlershof sollen sich Wissenschaftsinstitute auf dem Gelände ansiedeln und dadurch innovative Unternehmen anlocken. Ein Teil des Areals soll überdies begrünt und als „Tegeler Stadtheide“ für Besucher zugänglich gemacht werden. Die Hoffnung ist, dass der ganze Ortsteil, befreit vom Dauerschall der Flugzeuge, eine Aufwertung als Naherholungsgebiet erlebt.

Der Haken
Zukunftsraum, Urban Technologies, Entwicklungsimpulse. Es sind Schlagwörter ohne Inhalt, die das Grau der stadtplanerischen Realität verdecken. Denn bis heute liegt kein wirklich tragfähiges Konzept für die Nachnutzung des Geländes vor. Der „Forschungs- und Industriepark“ ist nicht mal in Ansätzen erkennbar. Mietverträge sind nicht unterschrieben und Verhandlungen mit Interessenten wie der Beuth-Hochschule sind ins Stocken geraten. Es scheint sich zu wiederholen, was schon in Tempelhof passiert war: Ein Flughafen schließt und keiner weiß, was auf ihn folgt.

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