Berlin

Auf der Spur der Geldwäscher

In Deutschland waschen Gangster jährlich etwa 100 Milliarden Euro aus illegalen Profiten rein.  Berlin ist Drehscheibe des schmutzigen Geschäfts. Report über eine Schattenwirtschaft, die über viele Freiheiten verfügt

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Die große Sensation verbarg sich in einem Schutthaufen, errichtet auf dem Bürgersteig ­einer Straße in Britz. Ein Wust aus ­Dokumenten, der einen seltenen Einblick in eine ­milliardenschwere ­Parallelwirtschaft gewährte. Männer vom Ordnungsamt hatten die Unterlagen entdeckt, als sie den ­wilden Müll wegräumen lassen wollten. Sie förderten ein Sitten­gemälde darüber zutage, wie Geldwäscher in ­Berlin verfahren – am Beispiel von Tricksereien eines offenbar kriminellen Clans.

Das brisante Material: Vollmachten aus dem Nahen Osten. Deren Urheber befugten in Deutschland lebende Clan-Mitglieder, Grundstücke und Immobilien zu erwerben. Daneben waren Geldsummen angegeben – sie seien den Bevollmächtigten für diese Käufe anvertraut worden. Offensichtlich eine Mimikry, um hohen Bargeld-Beträgen den Anschein eines legalen Ursprungs zu verleihen. Damit Makler, die Objekte auf dem Wohnungs- und Häusermarkt veräußern, potenzielle Käufe anstandslos abwickeln.

Ob die Vollmachten von einem Strohmann in der Levante stammten oder hier gefälscht wurden: schwer zu sagen. Der Zufallsfund aus dem Frühjahr 2012 zeigt jedenfalls die Geschäftspraxis mutmaßlicher ­Gangster, die illegal erzielte Gewinne in die legale Wirtschaft einspeisen, in diesem Fall die Immobilienbranche. EinMitarbeiter im Stab der Neuköllner Noch-Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey nennt das ausgebuddelte Konvolut rückblickend einen „einmaligen Erkenntnis­gewinn“.

Denn Geldwäsche-Delikte werden nur selten nachgewiesen. „Ein Witz“ seien die Fahndungsergebnisse der Berliner Polizei, sagt ein ehemaliger LKA-Ermittler aus der Abteilung für Organisierte Kriminalität, der die Geschäfte von Verbrechern jahrelang beobachtet hat – darunter den Transfer von Profiten, mutmaßlich illegal erwirtschaftet, in kapitale Vermögensobjekte, ob Miethaus, Lamborghini, Rolex.

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2016 etwa wurde lediglich Vermögen im Wert von 9,4 Millionen Euro konfisziert – das entspricht etwa dem Jahresumsatz eines durchschnittlichen Fußballvereins der Dritten Liga. Die wenigen Ermittlungserfolge sind Glückstreffer. 120.000 Euro in bar beschlagnahmten Polizisten 2009 bei einer Razzia in der Wohnung eines Clan-Bosses, der ins Rotlichtgeschäft auf …

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