Was mich beschäftigt:

Störfaktor Adressat

Neulich in der Vorweihnachtszeit. Irgendwo in der Bundesrepublik wird ein DHL-Paket nach Berlin geschickt. Ich bin am Auslieferungstag nicht zu Hause, durch den Briefkastenschlitz wirft der Bote einen Paketabholschein ein. Wenige Tage später, noch innerhalb der einwöchigen Abholfrist, will ich das nicht erwartete Paket des unbekannten Absenders abholen. Wegen der für Berufstätige ungünstigen Öffnungszeiten (Mo–Fr 9–18 Uhr) der Postfiliale muss ich dazu den Samstag wählen. Die Schlange vor dem Schalter erstreckt sich über 20 Meter und ragt weit aus dem Dienstgebäude heraus.

Nach einer Stunde Anstehen bin ich endlich an der Reihe, reiche Abholschein und Personalausweis über die Theke. „Nee!“, schnauzt die Mitarbeiterin mich an, das Paket sei längst abgeholt worden. Noch am gleichen Tag der geplanten Auslieferung, in einer anderen Filiale als der, die auf dem Abholschein steht. Ich: „????“. Filialmitarbeiterin: „!!!!“. Und: Ich solle weitergehen, sie habe schließlich zu tun.

Wieder zuhause rufe ich bei der DHL-Reklamationsstelle an, arbeite mich durch die Warteschleife und ein Menü von Ziffern. Endlich ein Mensch am anderen Ende der Leitung. Ich schildere das Problem. Geduldig hört die Person am anderen Ende der Leitung zu, will helfen, fragt nach der Paketnummer sowie meiner E-Mail-Adresse und Mobilnummer.

Eine Woche später, die DHL hat nichts mehr von sich hören lassen. Erneuter Anruf bei der Reklamationsstelle, Warteschleife, Ziffern-Menü, ein echter Mensch spricht. Ob man was von dem Paket erfahren habe, will ich wissen. „Leider nein“, lautet die Antwort. Warum man sich nicht eigenständig gemeldet habe, frage ich. Das würde man nie tun, sagt der DHL-Mensch. Warum man die Kontaktdaten dann hatte haben wollen, will ich nun wissen. „Aus Formalitätsgründen“, antwortet der DHL-Mensch verständnislos. Und: Ich solle eine Mail an den Kundenservice schicken. Ich gehorche, nenne die Paketnummer, schildere den Vorgang, sage, ich wüsste nicht, von wem das Paket sei. Am nächsten Tag die DHL-Mail-Antwort: „Bitte setzen Sie sich mit dem Absender in Verbindung.“ Der solle einen Suchauftrag starten. Ich antworte: Ich weiß – wie gesagt! – nicht, wer der Absender ist. Ob die DHL dies anhand der Paketnummer selber in Erfahrung bringen und damit eine Zustellung ermöglichen könne?

Eva Apraku
In dieser Rubrik stellen sich ZITTY-­Autoren große und kleine ­Gewissensfragen. Dieses Mal: Redakteurin Eva Apraku
Foto: Foto: Harry Schnitger

Mail-Antwort-DHL: „Sie wünschen Informationen zum Absender einer Paketsendung, … . Leider dürfen wir Ihnen hierüber aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskunft erteilen.“ Meine Antwort: Nein, keine Informationen zum Absender des DHL-Paketes, sondern nur ordnungsgemäße Zustellung erwünscht. Und, etwas patzig, dann erfahre ich sowieso, wer der Absender ist. Sinngemäße Antwort DHL: Bei kostengünstigen DHL-Päckchen sei man frei von jeder Verantwortung.

Fünf Tage später, Ich erhalte eine Mail von Freundin M.: „Gestern kam ein Paket zurück, das ich an dich geschickt hatte. Es sei nicht abgeholt worden, sagen die aufgeklebten Zettel, es habe mehrere Zustellversuche gegeben.“

Neulich parkte ein gelber DHL-Lastwagen vor meiner Haustür. Darauf die Aufschrift: „EXCELLENCE. SIMPLY DELIVERED“.

In Großbuchstaben. Wie auch sonst?